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Sauen als "Freigänger"

Aktuelles
Eine Sau, umgeben von ihren Ferkeln, wühlt im Dreck. Sie wühlt draußen. Sie und ihr Nachwuchs machen dabei einen munteren Eindruck auf den Betrachter, dem spätestens jetzt auffällt, wie selten dieses Bild geworden ist, wie oft es hinter Stallmauern versteckt wird. Schweinezüchter unter freiem Himmel: Was früher gar nicht weiter aufgefallen wäre, nennt sich heute neudeutsch "Outdoor.Haltung", was belegt, daß es sich von der Normalität gehörig abhebt.
Seit 2 Jahren wird die Freilandhaltung betrieben. In dieser Zeit sind weder bei der Sau, noch bei den Ferkeln Krankheiten aufgetreten. Etwa 100 Sauen haben in dieser Zeit ohne Probleme abgeferkelt. Durch die freie Bewegung vor und nach der Geburt gibt es keine Geburtsprobleme (MAA).Die Säugeleistung der Sau ist hervorragend. Einen Tag nach der Geburt stehen sie wieder am Trog. Durch die Bewegung lassen die Tiere Kot und Urin ab. Sie beschmutzen nie ihr eigenes Nest. Die Verdauung wird angeregt, was zu guter Futteraufnahme und guter Milchbildung führt. Nach 10 Tagen verlassen die Ferkel die Schutzhütte. Durch das Wühlen im Boden nehmen sie genug Eisen auf und brauchten nicht geimpft zu werden. Durch die gute Säugeleistung der Sau entwickeln sich die Ferkel sehr gut.
Die Schutzhütte (Abferkelhütte) ist eine Konstruktion von Friedhelm Köster, Inhaber des Oppendorfer Betonwerkes Haevescher. Sie ist aus Leka-Beton gegossen und von innen isoliert, sodaß sie im Winter nicht so schnell auskühlen kann. Die Angst, im Winter würden die Ferkel in der Hütte erfrieren, braucht man nicht zu haben. Eine dicke Strohlage in der Hütte und das Erwärmen durch das Muttertier reicht aus. Im Sommer kann es bei hohen Temperaturen schon eher Probleme geben. Die Kosten pro Platz der Sau ohne Ferkelaufzucht ab 8,5 kg liegen bei ca. 500,- DM. Es entfallen auch die täglichen Betriebskosten (Strom, Heizung). Das Füttern erfolgt morgens 1x täglich mit Schlepper und Wagen, worauf sich in einem Behälter das Futter befindet. Vor dem Abferkeln wird die Hütte weitergesetzt. Das entspricht im Stall dem Säubern mit dem Hochdruckreiniger. 
Die Aufzuchtleistung ist mit der im Stall zu vergleichen. Es werden 9-10 Ferkel aufgezogen. Dabei traten weder Atemwegs- noch Durchfallerkrankungen auf. Nach 3-4 Wochen werden die Ferkel abgesetzt und als Babyferkel verkauft oder zur Mast weitergefüttert. Demnächst soll ein Versuch unternommen werden, die Tiere von der Geburt bis zur Mast im Outdoor-Verfahren zu halten. Die Haltungsform hat ihren Ursprung in England, wo man schon 20 % aller Zuchtsauen im Freien hält. Auch in Deutschland gibt es große Betriebe mit 300-1000 Sauen in der Freilandhaltung. Das Gelände ist von einem Schutzzaun von 1,3 m Höhe umgeben. Es folgt dann ein 4,5 m breiter Schutzstreifen. Erst dann kommt die Einzäunung der Schweine. So können die Tiere keinen Kontakt von außen aufnehmen. Eine Sau mit kleinen Ferkeln kann durch ihren Instinkt, den die Freilandhaltung wieder freisetzt sehr aggressiv werden und ist immer mit Vorsicht zu geniessen.
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